Rheinischer Sauerbraten mit Rotkohl & Klößen

Der Rheinische Sauerbraten ist das Herzstück der deutschen Küche – ein butterzarter Rinderbraten, der durch mehrtägiges Marinieren in Rotwein und Essig eine unvergleichlich tiefe, würzige Note bekommt. Die charakteristische Sauce vereint Säure, Süße und Tiefe dank Saucen-Printen, Sultaninen und Johannisbeergelee auf meisterhafte Weise. Dazu seidiger Rotkohl mit Apfel und Orange sowie fluffige Kartoffelklöße – ein Festessen wie bei Omas Sonntagstafel. Dieses Gericht braucht Zeit und Geduld, belohnt aber mit einem Geschmackserlebnis, das seinesgleichen sucht. Perfekt für Weihnachten, besondere Sonntage oder wenn man Gästen zeigen möchte, was deutsche Küche wirklich kann.

Vorbereitung
30 Min
🍳
Koch-/Backzeit
3 Std 30 Min
Gesamt
4 Std
Schwierigkeit
Anspruchsvoll
👥
Portionen
4 Pers.
Bewertung
5.0/5 (2)
🔄
Zuletzt überarbeitet
23.05.2026
👨‍🍳
Redaktionell geprüft von Erik Eggerth · 23.05.2026
JM
Rezept von Julia Meier Chefredakteurin & Rezeptentwicklerin Mehr über unsere Redaktion →
Rheinischer Sauerbraten mit Rotkohl & Klößen

🧮 Portionsrechner

4 Portionen

🛒 Zutaten

Marinade

200 g Möhren, grob gewürfelt
125 g Lauch, grob geschnitten
200 g Knollensellerie, grob gewürfelt
1 mittelgroße Zwiebel, geviertelt
5 Wacholderbeeren
2 Gewürznelken
2 Pimentkörner
4 schwarze Pfefferkörner
1 EL Senfkörner
3 Lorbeerblätter, getrocknet
1 EL Zucker
350 ml Rotwein
60 ml Rotweinessig
1 EL Salz

Sauerbraten

600 g Rinderbraten aus der Schulter (Schildstück)
2 EL Butterschmalz
1 TL Tomatenmark
100 ml Rinderfond
60 g Saucen-Printen (alternativ Kräuterprinten)
30 g Sultaninen
½ TL Zuckerrübenkraut
1 EL Johannisbeergelee
Salz und Pfeffer nach Geschmack

Rotkohl

500 g Rotkohl
½ mittelgroße Zwiebel, fein gewürfelt
2 säuerliche Äpfel, gewürfelt
200 ml Rotwein
125 ml Orangensaft
175 ml Wasser
15 ml Apfelessig
2 EL Olivenöl
Salz und Pfeffer nach Geschmack

Kartoffelklöße

400 g festkochende Kartoffeln
100 g mehligkochende Kartoffeln (roh)
1 Ei
40 g Kartoffelstärke
Salz und Muskatnuss nach Geschmack

👨‍🍳 Zubereitung

1
  • 200 g Möhren, grob gewürfelt
  • 125 g Lauch, grob geschnitten
  • 1 mittelgroße Zwiebel, geviertelt
  • 5 Wacholderbeeren
  • 4 schwarze Pfefferkörner
  • ½ mittelgroße Zwiebel, fein gewürfelt

Für die Marinade das Gemüse (Möhren, Lauch, Sellerie, Zwiebel) putzen und in grobe Stücke schneiden. Wacholderbeeren, Piment und Pfefferkörner im Mörser leicht andrücken, damit die ätherischen Öle freigesetzt werden. Alle Marinadenzutaten in einen Topf geben, aufkochen und anschließend vollständig abkühlen lassen – das ist wichtig, damit das Fleisch nicht vorgegärt wird.

💡 Tipp: Die Marinade niemals warm über das Fleisch gießen – das würde die Fleischstruktur zerstören und einen unangenehmen Beigeschmack erzeugen. Am besten abends zubereiten und über Nacht abkühlen lassen.
2
  • 600 g Rinderbraten aus der Schulter (Schildstück)

Den Rinderbraten in die vollständig abgekühlte Marinade legen und darauf achten, dass das Fleisch vollständig bedeckt ist. Abgedeckt im Kühlschrank 3–5 Tage marinieren lassen und das Fleisch täglich einmal wenden. Je länger die Marinierzeit, desto intensiver und zarter wird der Braten – 4 Tage sind ideal.

💡 Tipp: Zum Marinieren eignet sich am besten ein verschließbarer Gefrierbeutel oder ein Vakuumierbeutel: Weniger Luft, weniger Marinade nötig und das Fleisch ist gleichmäßig bedeckt. Alternativ ein passendes Keramik- oder Glasgefäß mit Deckel verwenden.
3
  • 1 EL Salz
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • Salz und Muskatnuss nach Geschmack

Am Schmortag den Braten aus der Marinade nehmen, das anhaftende Gemüse abstreifen und das Fleisch mit Küchenpapier sehr gründlich trocken tupfen. Den Marinadensud durch ein feines Sieb in einen Topf gießen und das Gemüse beiseitelegen – beides wird später noch gebraucht. Das Fleisch rundum leicht mit Salz und Pfeffer würzen.

💡 Tipp: Fleisch, das nicht trocken getupft wurde, dampft in der Pfanne statt zu braten – so entstehen keine Röstaromen. Wer mag, kann das Fleisch 30 Minuten vor dem Anbraten aus dem Kühlschrank nehmen, damit es Zimmertemperatur annimmt.
4
  • 2 EL Butterschmalz

Einen großen Bräter bei mittlerer bis hoher Hitze erhitzen und das Butterschmalz darin schmelzen lassen. Den Braten von allen Seiten kräftig anbraten, bis eine tiefbraune Kruste entsteht – das dauert pro Seite ca. 2–3 Minuten. Dieses Rösten ist entscheidend für den späteren Saucengeschmack, also nicht hetzen. Anschließend das Fleisch herausnehmen und beiseitestellen.

💡 Tipp: Butterschmalz eignet sich hier besser als Butter, da es einen höheren Rauchpunkt hat. Das Anbraten bei zu niedriger Temperatur lässt das Fleisch kochen statt braten – die Pfanne muss wirklich heiß sein, bevor das Fleisch hineinkommt.
5
  • 1 TL Tomatenmark

Das beiseitegestellte Marinadengemüse in den heißen Bräter geben und unter gelegentlichem Rühren bei mittlerer Hitze anbraten, bis sich braune Röststoffe am Boden bilden. Das Tomatenmark hinzufügen und weitere 2–3 Minuten mitanbraten, bis es leicht dunkel und karamellisiert ist – das gibt der Sauce eine wunderschöne Farbe und Tiefe. Mit dem gesiebten Marinadensud ablöschen und dabei die Röststoffe mit einem Holzlöffel vom Boden lösen.

💡 Tipp: Das Tomatenmark niemals überspringen – es bringt Umami und bindet die Sauce. Wer möchte, kann jetzt auch den Rinderfond hinzufügen, wenn die Sauce nicht genug Flüssigkeit hat, um das Fleisch zu etwa einem Drittel zu bedecken.
6
  • 100 ml Rinderfond
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • Salz und Muskatnuss nach Geschmack

Den Braten zurück in den Bräter legen, den Deckel auflegen und im auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorgeheizten Backofen 2–2,5 Stunden schmoren lassen. Das Fleisch sollte nach dem Schmoren so zart sein, dass es sich mit einem Löffel zerteilen lässt. Alle 45 Minuten den Braten wenden und bei Bedarf etwas Rinderfond nachgießen, damit die Sauce nicht zu sehr eindickt.

💡 Tipp: Ein Fleischthermometer ist bei Schmorbraten zwar nicht üblich, aber hilfreich: Bei ca. 90–92 °C Kerntemperatur ist das Bindegewebe vollständig zerfallen und der Braten butterweich. Wer einen Schnellkochtopf besitzt, kann die Schmorzeit auf ca. 60 Minuten reduzieren.
7
  • 60 g Saucen-Printen (alternativ Kräuterprinten)
  • 30 g Sultaninen
  • ½ TL Zuckerrübenkraut

Den Braten aus dem Bräter nehmen, in Alufolie wickeln und warm halten. Die Sauce durch ein feines Sieb in einen Topf passieren und das Gemüse dabei kräftig ausdrücken. Die Saucen-Printen zerbröseln und zusammen mit den Sultaninen und dem Zuckerrübenkraut in die Sauce geben. Alles bei niedriger Hitze ca. 5 Minuten leicht köcheln lassen, bis die Printen aufgelöst sind und die Sauce sämig wird.

💡 Tipp: Saucen-Printen sind der Geheimtipp für die authentische rheinische Sauce – sie geben Bindung, Süße und Gewürznoten gleichzeitig. Wer keine bekommt, kann alternativ Lebkuchen ohne Glasur nehmen, aber das Ergebnis ist nicht ganz dasselbe.
8
  • 60 ml Rotweinessig
  • 1 EL Salz
  • 100 ml Rinderfond
  • 1 EL Johannisbeergelee
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • ½ mittelgroße Zwiebel, fein gewürfelt
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • Salz und Muskatnuss nach Geschmack

Das Johannisbeergelee in die Sauce einrühren und alles mit Salz, Pfeffer und ggf. einem Spritzer Rotweinessig fein abschmecken. Die Sauce soll eine harmonische Balance aus Säure, Süße und Würze haben – keines der drei Elemente sollte dominieren. Falls die Sauce zu dünn ist, noch etwas einköcheln lassen; ist sie zu dick, mit einem Schuss Rinderfond verlängern.

💡 Tipp: Immer zuerst kosten, dann abschmecken! Wer die Sauce etwas süßer mag, gibt noch einen Teelöffel Zuckerrübenkraut dazu. Für mehr Tiefe hilft ein kleiner Schuss dunklen Balsamicoessig.
9
  • 350 ml Rotwein
  • 500 g Rotkohl
  • 2 säuerliche Äpfel, gewürfelt
  • 200 ml Rotwein
  • 125 ml Orangensaft
  • 175 ml Wasser
  • 15 ml Apfelessig
  • 2 EL Olivenöl

Für den Rotkohl die äußeren Blätter entfernen, den Kohl halbieren, den Strunk herausschneiden und mit einem Hobel in feine Streifen hobeln. In einem großen Topf das Olivenöl erhitzen, die Zwiebelwürfel darin glasig anschwitzen und leicht salzen. Den Rotkohl zufügen, 5 Minuten anschwitzen, dann Äpfel, Orangensaft, Rotwein, Apfelessig und Wasser hinzugeben. Mit geschlossenem Deckel bei niedriger Hitze ca. 90 Minuten köcheln lassen, bis der Kohl vollständig weich ist, und dabei gelegentlich umrühren.

💡 Tipp: Rotkohl lässt sich hervorragend einen oder sogar zwei Tage im Voraus zubereiten – er schmeckt aufgewärmt noch besser! Wer traditionell kocht, gibt 1–2 EL Preiselbeerkonfitüre zum Abschmecken hinzu.
10
  • 1 EL Salz
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • ½ mittelgroße Zwiebel, fein gewürfelt
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • 400 g festkochende Kartoffeln
  • 100 g mehligkochende Kartoffeln (roh)
  • 40 g Kartoffelstärke
  • Salz und Muskatnuss nach Geschmack

Für die Kartoffelklöße die festkochenden Kartoffeln als ganze Knollen in Salzwasser kochen (ca. 25 Minuten), abgießen, kurz ausdämpfen lassen, schälen und durch eine Kartoffelpresse in eine große Schüssel drücken. Die rohen mehligkochenden Kartoffeln schälen, fein reiben, in einem sauberen Küchentuch kräftig auspressen – die austretende Stärke kurz absetzen lassen und das abgesetzte Stärkemehl mit zurück zur Kartoffelmasse geben. Beide Kartoffelmassen mit Ei, Kartoffelstärke, Salz und frisch geriebener Muskatnuss zu einem geschmeidigen Teig vermengen.

💡 Tipp: Die rohen Kartoffeln gut auspressen ist der wichtigste Schritt – zu viel Feuchtigkeit lässt die Klöße beim Kochen auseinanderfallen. Wenn der Teig zu klebrig ist, etwas mehr Kartoffelstärke einarbeiten.
11
  • 175 ml Wasser

Mit feuchten Händen aus dem Kartoffelteig gleichmäßige Klöße formen (ca. tennisballgroß). In einem großen Topf reichlich Salzwasser zum Kochen bringen, die Hitze reduzieren, sodass das Wasser nur noch leicht siedet, und die Klöße vorsichtig einlegen. Die Klöße bei niedriger Hitze ca. 15–20 Minuten gar ziehen lassen – sie sind fertig, wenn sie an die Oberfläche steigen und noch etwa 5 Minuten oben schwimmen. Mit einer Schaumkelle herausnehmen und sofort servieren.

💡 Tipp: Klöße niemals im sprudelnd kochenden Wasser garen – das zerstört die Oberfläche und sie fallen auseinander. Wer den Teig vorab testen möchte, einen kleinen Probe-Kloß ins Wasser geben: Fällt er auseinander, noch etwas Stärke einarbeiten.
12
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • 500 g Rotkohl
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • Salz und Muskatnuss nach Geschmack

Den Sauerbraten aufschneiden (gegen die Faser schneiden für maximale Zartheit) und mit der heißen Sauce, dem Rotkohl und den Kartoffelklößen auf vorgewärmten Tellern anrichten. Die Sauce großzügig über das Fleisch geben und nach Belieben mit frischer Petersilie garnieren. Dieses Gericht unbedingt heiß servieren – die Klöße und die Sauce verlieren schnell an Qualität.

💡 Tipp: Wer beeindrucken möchte: Den Braten in der Sauce servieren und erst am Tisch aufschneiden. Reste von Sauerbraten schmecken am nächsten Tag als Aufschnitt auf Brot oder kleingeschnitten in der Sauce warm gemacht sogar noch intensiver.
🥄

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📊 Nährwerte pro Portion

675
kcal
Kalorien
48
g
Protein
37
g
Fett
33
g
Kohlenhydrate
5
g
Ballaststoffe

Nährwerte sind Richtwerte. Prüfe alle Zutaten auf eigene Allergien und Unverträglichkeiten.